Archiv für Juli 2008

Nebenbei bemerkt

Ich las soeben zum Verdistreik bei der Lufthansa:

„Die Forderung nach 9,8 Prozent mehr Lohn ist unrealistisch“, sagte Lesch.
„Sie ist eher ein Signal, dass Ver.di versucht, das Maximum für ihre
Mitglieder herauszuholen.“ Lufthansa könne darauf gar nicht eingehen. „Eine
derart hohe Steigerung ist vielleicht in der technischen Wartung noch
gerechtfertigt – aber nicht bei einem Mitarbeiter, der Salat wäscht und
Brötchen belegt.“

Manchmal muss man seine Meinung über das Prekariat gar nicht verstecken, gerade wenn man eine mediale Plattform dafür bekommt, scheint`s mir. Ach, ausgesprochen hat dieses Eingeständnis an elitärer Borniertheit, das kann man ein paar Zeilen drüber lesen, übrigens:

Hagen Lesch, Tarifexperte des gewerkschaftskritischen Forschungsinstituts IW Köln.

Was ja nun wenig überrascht. Gerne und wahrscheinlich nicht zu knapp bezahlt wurde diese Kommentarwichsmaschine übrigens von:

SPIEGELonline

Was noch weniger überrascht.

Markus seine Titten

Vielleicht liegt es ja auch bloß an den schwülen Sommernächten, dass dieser Exponent des ganz normalen Volksgeistes ees (Hotte T.) schon wieder gemacht und ees mit Sicherheit wieder nicht gemerkt hat. Seine letzten Opfer waren die Inder. Jetzt traut er sich an eine noch größere Gruppe ran: Die Frauen.
Welche Körbchengröße hat also so eine Honigmelone?
nealcassidy hat mich informiert, dass keine direkten links zur Sendung gesetzt werden können. Die ZDF-Mediathek findet man auf der Seite des Senders oben rechts.
In der Rundschau (Rhein-Main-Teil) von heute fand ich diese sehr nette Glosse, in der die Menschen, die den Fehler machen einen sogenannten Deppen-Apostroph zu setzen, in Schutz genommen werden gegen sicke Klugscheißer. Sagte mir mal ein Germanist: Sprachkritik sollte doch Herrschaftskritik sein. Damit meinte er, im Gegensatz zur Sprachkritik als Herrschafts-Begründung wie bei B. Sick. Sagte mal ein türkisch Sprechender zu einem intellektuellen Klugscheißer: „Sick de, lan“ (Schreibweise so oder so ähnlich!)
In diesem Zusammenhang weißt die Redaktion dieses Blogs daraufhin, dass Schreibfehler in Pressemitteilungen mit Absicht stehen gelassen werden, denn: 1. sollt ihr es so dokumentiert bekommen, wie es war im real life. 2. glaubt ozmataz, dass die Dokumentation der tatsächlichen Fähigkeiten im Gegensatz zur eingebildeten Wichtigkeit von Chauvinisten in diesem Sinne zu einer Kritik des Geisteszustands dazu gehört. (In Planung ist übrigens eine Sammlung der lustigsten Fascho-Graffiti, Einsendungen nehme ich jederzeit gerne entgegen)

Mit dank an alle, die an der Funktion „Sitzung wiederherstellen“ beim besten Browser der Welt mitgearbeitet haben. Mein alter PC schafft Fernsehen und Radio offenbar nicht gleichzeitig (oder war es wegen Lanzi seim offenen Hemd?).

bürgernah, bürgerlich

Weil einer meiner organisierten Genossen wohl meinte es sei total solidarisch den Mailverteiler des neu gegründeten Kreisverbands Die Linke aufzufüllen, landete da auch meine E-Mail-Adresse. Auf die Art erfuhr ich zum Beispiel, dass man dort schon bei der allerersten Nominierungsveranstaltung damit begann, sich in Lager zu spalten und gegenseitig zu hintergehen. Das wollte ich nicht wissen. Ich bearbeitete mich zu dieser Zeit gerade emotional, um trotz allem doch wählen zu gehen.
Zwei mal bat ich daher, mich wieder aus dem Verteiler zu nehmen. Aber sie hörten nicht auf.
Und dann, eines Tages, bekam ich diese Mail:

DIE LINKE. Kreisverband Groß-Deutschland* schrieb:

>> Liebe Kreisvorstände der Linken Hessen,
>>
>> hiermit bitte ich um Verbreitung der folgenden Mobilisierungsemail für den CSD in Frankfurt vom 18.-20.07.2008
>> in euren KV-Verteilern.
>>
>> Auch für die linke in Hessen im Ganzen ist der CSD ein wichtiger Termin da es eine gute Gelegenheit bietet, öffentlichkeitswirksam udn bürgernah aufzutreten.
>>
>> bitte auch um Rückmeldung des Erhalts dieser Email
>>
>> msG
>> Irgend Jemand* vom
>> LAG Queer Hessen

Getz war ich aber mal doppelt böse. Ich sah mich gezwungen, Stellung zu beziehen:

1. Der Schwulen- und Lesbenbewegung die besten Wünsche
2. Die Linke soll nicht bürgernah auftreten, sie soll die Bürger sein
3. Bitte verschont mich mit euren Mails
4. Bitte verschont mich endlich und endgültig mit euren Mails
5. Bitte verschont mich endlich und endgültig mit euren Mails, ich
hatte bereits darum gebeten
6. Solltet ihr mich nicht damit verschonen, wähl´ ich CDU
7. Sollte ich nochmal irgendwo lesen, dass die Linke bürgernah
auftreten solle, werde ich – schon weil ich mich so über das
grundlegende Missverständnis ärgere, dass hinter diesem Satz
steckt – eine maoistisch-anarchosyndikalistische Bewegung aufbauen
8. Klar?!
9. Bitte an alle vom KV weiterleiten, die mich weiterhin nerven könnten

* Namen von der Redaktion geändert

Gerade gefunden

Ein Autor der jW hat bei einem fröhlichen Kochabend im Ersten etwas genauer aufgepasst und damit bewiesen, dass einem diese Linken auch jedes Fernsehvergnügen mit ihrem Gemecker kaputt machen!

Stolpersteine…

… für die journalistische Praktikerin gibt es ja so manche. Einer davon: das Unterbewusstsein, ein anderer: die Leserorientierung. Auf dem Pfad zu einer sauberen Berichterstattung ist schon so manches Mitglied der schreibenden Zunft (ein toller Begriff, gelt?) wegen dieser Stolpersteine ins Straucheln geraten.
Besonders lustig zu betrachten ist das Stolpern, wenn auch das Thema des Textes, ausgerechnet, Stolpersteine sind.
Als einmal in meiner kleinen Heimatstadt Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt wurden, war ich der Ansicht, dass sei der Mühe wert, die Berichterstattung darüber zu quasimonopolisieren. Damit nicht allzu viel von dem, was im Unterbewussten der KollegInnen schlummert, an die breite Öffentlichkeit gerate (schlechterer Fall) und/oder das Thema einfach – zehncentprozeilemäßig – abgearbeitet werde (besserer Fall).
Ich schnappte mir das Thema also und es war tatsächlich der Mühe wert. Die Bürger machten ihre Sache im Rahmen ihrer Möglichkeiten prima.
Doch zwei Anekdoten habe ich, die zeigen wie Recht ich mit meinen Befürchtungen hatte. Einmal schickte ich mein Manuskript an ein besonders mieses Regionalblatt. Ein mir wichtiger Satz ging so:

Auch in der Mittagsgasse, der Elisenstraße, der Weinbaustraße und in der Kurzstraße* erinnern nun Stolpersteine an die Opfer, die so lange anonym gehalten wurden.

Gedruckt wurde folgender Satz:

Auch in der Mittagsgasse, der Elisenstraße, der Weinbaustraße und in der Kurzstraße* erinnern nun Stolpersteine an die Opfer, die so lange anonym geblieben waren.

Kleine Veränderung, große Wirkung. Auf einmal war es nicht mehr so, dass die Eltern der Leser des besonders miesen Regionalblatts für die Anonymität der (jüdischen) Opfer gesorgt hatten. Die waren einfach anonym geblieben. Der Zufall hatte seine Hand im Spiel. Und eigentlich ist es ja auch richtig, hier eine Passiv-Konstruktion zu benutzen. Denn die Bewohner meines Heimatörtchens waren und die Leser des besonders miesen Regionalblatts sind ja in Sachen Opfergedenken eben das: passiv.
Dieses Redaktionsmitglied hatte aktiv eingegriffen. Der Kollegin eines nicht ganz miesen und auch nicht eigentlich regionalen Blattes war hingegen passiv einer durchgerutscht. Ihr Unterbewusstsein oder aber der Teufel führte ihr die Finger, als sie zum genannten Thema „Stolpersteine des Vergessens“ in ihre Tastatur tippte.

*Namen von der Redaktion geändert