Archiv für Dezember 2008

Heute eine Königsfamilie

Zu viert sind wir zu Besuch in Poschwiesen*. Es ist ein angnehm kühler Tag während einer unangenehm heißen Phase des Sommers. Wir haben Zeit, Geld und Apettit. All so suchen wir den Inder auf, der uns empfohlen worden war. Einen Tisch bekommen wir entgegen unserer Erwartung problemlos, denn draußen Sitzen ist möglich. Das Verhalten des Service-Personals empfinden wir als freundlich, nicht scheißfreundlich. Die Laune ist gut und wird von famosen Kartoffel-Pastetchen und Weizenbier ins Unbegründliche gesteigert. Kurz bevor unser Hauptgang kommt, kommt auch eine Großfamilie im Restaurant an. Weil es sich um eine Großfamilie handelt, stellt das Personal ihnen mehrere Tische zusammen, auf dass sie sich alle miteinander unterhalten können. Eine Möglichkeit, von der sie aber zunächst nur spärlich Gebrauch machen. Alle Tische des Restaurants sind jetzt besetzt. Wir achten gar nicht mehr auf die Großfamilie, denn wir haben uns was zu sagen.
Später, fünf bis acht Minuten nachdem meine Aufmerksamkeit von ihnen abgeglitten war, steht die ganze Großfamilie auf ein Kommando, das ich nicht mitbekommen habe, plötzlich auf. Das verwirrt mich. Während ich über Erklärungen für dieses Verhalten nachdenke und gerade die Vermutung anstelle, dass sie noch nicht bedient wurden, erklärt bereits ein junges, in ein türkises Polohemd gekleidetes Mitglied der Großfamilie einem Gast, der wohl noch neugieriger war als ich, den Sachverhalt. Im Weggehen, den Kopf bei konstant gehaltenem Oberkörper leicht nach hinten gewendet, einen Mundwinkel wohl im Bemühen um Überlegenheit und Kontrolle leicht angewinkelt, die Achseln ein wenig gezuckt, sagt er: „Wenn die hier halt Nix verdienen wollen.“

*Name von der Redaktion geändert