Der Jubel des Juden nach der Hostienschändung

Unter dem sprachlich interessanten Titel „Ohne zu zuschauen“ kommentiert (der Dokfilm-Regisseur?) Jan Ralske in einem Leserbrief an M, die Zeitschrift der Deutschen JournalistInnen Union diese Kolumne über den Gazakrieg, und zwar so:

Der Kolumnist weiß alles besser: Das hauptsächliche Problem mit dem Gaza Krieg war, dass Al Dschesira immer wieder ein Baby mit schweren Verbrennungen im Gesicht zeigte, und der amerikanische Facharzt nicht „live“ dabei erklären durfte, dass vielleicht die Verbrennungen nicht durch israelisches Phosphor verursacht wurden. Was sonst will der Autor uns mit seinem Bericht „Ohne Zuschauer“ mitteilen? … Und wenn er dann verurteilt war, mit anderen „Zuschauern“ auf Hügeln in Israel die Explosionen der 500 kg Präzision-Bomben aus sicherer Entfernung zu beobachten, warum berichtet er nicht über den Jubel der Israelis bei jedem Einschlag? Die Israelis wollten diesen Krieg, er gefiel diesen Zuschauern. (…) Hat er vielleicht vergessen, dass es die Israelis waren, die seit 2002 über 24 Journalisten in Gaza / West Bank getötet haben? Die westlichen Medien wollen einfach nichts wissen von Hamas und dem Leiden der Palästinenser.

Solche Leserbriefscheiber kennt jede Redaktion. Argumentationen funktionieren meist so oder so ähnlich: Es wird ein Bogen von der geplanten Kindertagestätte zum Kapitalismus als solchem und von dort mittels Zahlen- oder Bodenmystik über ein drohendes Schwarzes Loch zum Ursprung allen Lebens oder zur familiären Herkunft des Bürgermeisters geschlagen. Veröffentlicht werden solche Briefe natürlich nicht. Sie werden verschämt zur Seite gelegt. Dass es der Redaktion der Gewerkschaftszeitschrift nicht gelungen ist, die Einlassungen von Jan Ralske nicht als Brief diesen Typs zu identifizieren, dass sie seinen Inhalt stattdessen offenbar als normale Position handhaben, lässt viel tiefer blicken als ich in eine gewerkschaftlich organisierte Redakteursseele schauen möchte.


1 Antwort auf “Der Jubel des Juden nach der Hostienschändung”


  1. 1 Der Leserbriefschreiber des Grauens « Bulletin Presse und Herrschaft Pingback am 22. Mai 2009 um 19:22 Uhr
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