Archiv für September 2009

Dummheit in der deutschen Linken? Mein Kommentar…

Wer hat früher alles mitgemacht, wenn die Bravo unter die Fotos von scheußlichstem Tiermord, die Adresse der Mörder druckte, mit der Aufforderung, denen die Meinung zu sagen?
Auf diesem Niveau befindet sich die Michelle Deutsch (SPD), die folgende Postkarten gemacht hat noch heute. Die soll man an „Bundesfinanzminister, Deutscher Bundestag, 11011 Berlin“ schicken, mit einem geharnischten ehrlichen und handgemachten kritischen Kommentar versehen.

umseitig steht: „Finanzmärkte ohne Regulierung? Mein Kommentar…“
Und wer das unbedingt als erste Regung eines lobenswerten Widerstandsgeistes missverstehen will, guckt sich noch diese Karte an und begreift, dass sogar an der Konsumgeilheit der Postkartenmacherin die Kapitalisten schuld sind.

umseitig steht: „Konsumgesellschaft? Mein Kommentar…“

Er gab uns eine, eine Sandale

Behnam Yazdani hat es schon ziemlich weit gebracht (via twitter):
„frank walter hat mir die hand gereicht, guter mann! gleich seine ansprache.“
Ein Kommentator versinkt vor Neid im Boden:
„Dxxxxx Wxxxxx
herzlichen Glückwunsch, spielst jetzt bei den ganz Großen mit! :-)
Behnam Yazdani
jetzt werde ich mir erstmal die nächsten 4 jahre nicht die hand wachsen ;)
Dxxxxx Wxxxxx
hatte ich damals auch gesagt, gleichzeitig anderen die Hand unter die Nase gehalten und gesagt „so riecht Kanzler“ *hust*“

Liveticker aus der Welt der Nachwuchspolitik II

Behnam Yazdani zieht Bilanz und wagt einen Ausblick (via twitter): „sitzung geht weiter, mittagessen liegt schwer im magen, dass nächste mal gibts für mich keinen nachtisch.“
„für heute ist die klausurtagung beendet, gibt gleich ein „mittelalterliches rittermahl“, mal schauen was dass wird…“

Patrick Burghardt lädt ein, um sich über Themen, die Themenschwerpunkte sind, auszutauschen (via homepage):
„DGB-Diskussion zur Bundestagwahl
Freitag, 4.9, 17.00 Uhr in der Stadthalle Rüsselsheim
(04. September 2009) Themen wie die „Zukunft von Opel, die Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise und Fragen einer ökologischen Energiepolitik und Atomstrom“ sind Themenschwerpunkte einer Informations- und Diskussionsveranstaltung des DGB Ortsverband Rüsselsheim.“

Dann sind sie vermutlich selbst schuld…

…diese Juden, hat sich wohl der- oder die RedakteurIn der Frankfurter Rundschau gedacht, der folgende Agenturmeldung

Im Gaza-Streifen will die herrschende radikalislamische Hamas verhindern, dass Kinder im Schulunterricht über den millionenfachen Mord an den Juden informiert werden. In einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an das zuständige UN-Hilfsprogramm UNRWA wird der Holocaust offen bestritten und als Lüge bezeichnet. „Wir lehnen es ab, dass unsere Kinder eine Lüge lernen sollen, die von den Zionisten erfunden wurde“, schrieb ein Hamas-Komitee an den Geschäftsträger der UNRWA im Gaza-Streifen, John Ging. Die UN-Organisation unterrichtet rund 200.000 Kinder im Gaza-Streifen.

offenbar nicht gedruckt sehen wollte, ohne in denselben Artikel diese Agenturmeldung noch mit einzubauen:

Die Jerusalem Post berichtete am Montag indes (sic!), das israelische Kultusministerium habe das arabische Wort „Nakba“ aus dem Unterricht für arabische Israelis verbannt. Nakba steht für Katastrophe und beschreibt Flucht und Vertreibung hunderttausender Araber während des Unabhängigkeitskrieges nach der Staatsgründung Israels. Die Gründung Israels könne nicht als Katastrophe gelehrt werden, zitiert das Blatt eine Sprecherin.

Bei diesem Blatt wird auf ausgewogene Berichterstattung geachtet, was sich auch in diesem Gastbeitrag zur Debatte entlädt manifestiert.
David Hare schreibt ziemlich lang (extrem lang für Rundschau-Verhältnisse) über die Mauer, klar welche. Erstmal wird sich vorab gerechtfertigt, „Ich ergreife nicht Partei, und ich habe Bekanntschaften auf beiden Seiten des Zauns und auf beiden Seiten der Mauer.“ Dann kann es losgehen. Das Konzept der Instrumentellen Aktualisierung wird ohne es zu kennen perfekt genutzt. Willst Du Dich nicht festnageln lassen, lass es jemand anders für dich sagen. So:

Der internationale Gerichtshof in Den Haag vertritt eine andere Auffassung. Am 9. Juli 2004 erging folgende Verfügung: „…der von der Besatzermacht Israel angestrebte Mauerbau in den besetzten palästinensischen Gebieten … verstößt gegen internationales Recht. Israel muss … den Bau sofort einstellen … und die bereits gebauten Abschnitte unverzüglich wieder entfernen…“

oder so:

Professor Nusseibeh von der Al-Quds-Universität drückt es besonders prägnant aus: „Das ist so, wie wenn man jemanden in einen Käfig sperrt und dann, wenn er verständlicherweise anfängt zu schreien und um sich zu schlagen, behauptet, dass ein Mensch, der zu solchen Wutausbrüchen neigt, eben eingesperrt werden müsse. Die Mauer ist ein perfektes Verbrechen, denn sie beschwört die Gewalt herauf, zu deren Verhinderung man sie angeblich gebaut hat.“

Und wenn es gar nicht anders geht, wird mittels fiktiver wörtlicher Rede einfach dreist untergeschoben:

Deswegen fragt man sich, warum die israelischen Soldaten hier sinnlos den Verkehr aufhalten. Die Antwort ist klar. Sie tun es, weil sie es können. Für die Wartenden lautet die Botschaft: „(…), aber es gibt wahrscheinlich doch eine Logik dahinter. Sicherheitsbedenken spielen jedoch bestimmt keine Rolle – die Straße führt nicht nach Israel, und den einzelnen Autos wird auch keine besondere Beachtung geschenkt.Wenn wir euch aufhalten wollen, dann machen wir es. Wir haben das Recht, euch aufzuhalten. Aus unserer Sicht ist eure Lebenszeit unwichtig.“

David Hare bezieht seine Berechtigung, fundiert zum Thema zu sprechen, übrigens aus seiner Tätigkeit als Autor und aus der bereits bekannten Tatsache, Freunde auf beiden Seiten zu haben.
Den Bau der Mauer, bei dem Israel auch Land umbaute, dass nach diversen Abkommen „den Palästinensern gehört“, nennt er „ein perfektes Verbrechen“. Was den FR-Redakteuren wiederum eine derart treffende Charakterisierung jüdischen Policymakings zu sein scheint, dass sie das Bonmot zur Zwischenüberschrift aufwerten.

Wer sich angesichts solcher Ausgewogenheit, nach Polemik und unfairer Berichterstattung sehnt, soll sich die aktuelle konkret besorgen und darin nachlesen, wie die gute alte UNO, die so viele gute Linke zu ihren Fans zählt, ihrem Bildungsauftrag im Westjordanland im Detail nachkommt.