Beiträge von ozmataz

Juwel der Stadt

Was herauskommt, wenn bräsiges Beamtentum und sinnfrei-anbiederndes Marketing sich vereinigen, lässt sich in den Broschüren bestaunen, die beschauliche kleine Städtchen herausbringen, um sich potentiellen Touristen anzubieten. Die beschaulichen kleinen Städtchen des Lahntals haben gemeinsam eine solche Broschüre herausgegeben. Aus ihr geht hervor, dass die Abteilung Tourismus im Rathaus Weilburg nicht, wie inzwischen fast überall, Tourist-Information heißt. Nach altem deutschem Brauch verrät dieses Amt stattdessen schon mit seinem Namen, dass die Leute, die da nach Weilburg kommen und ihr Geld lassen sollen, in Weilburg nicht willkommen sind. Das Amt heißt Fremdenverkehrs-Marketing.
Das noch beschaulichere Städtchen Hadamar wirbt in der Broschüre ebenfalls mit seinen Sehenswürdigkeiten:

„Die sakrale Baukunst spannt einen schönen Bogen von der Gotik bis hin zum Barock. Juwel der Stadt ist die Liebfrauenkirche mit prachtvollem, barocken Interieur. Glasfachschule, Musisches Internat (Heimat der Limburger Domsingknaben) und Gedenkstätte Mönchberg sind weitere, bedeutende Anziehungspunkte der Stadt.“

Wer weiß, woran in der „Gedenkstätte Mönchberg“ erinnert wird, versteht, warum „Anziehungspunkt“ eine ganz besonders passende Umschreibung für diesen Ort ist.

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* Hervorhebung durch die Redaktion

Spirit of K.-H. Kurras

Die Clown Army ist eine antiautoritäe Gruppe, die seit einigen Jahren auf Demonstrationen auftaucht und sich dort über das Gehabe der PolizistInnen lustig macht. Die Clowns machen das sehr geschickt und sind so demonstrativ harmlos, dass sich kein Mensch, der einen Funken Humor hat, von ihnen provoziert fühlen könnte. Problem: Ziemlich viele PolizeibeamtInnen haben keinen Funken Humor. Einer hat jetzt offenbart, was seinesgleichen tatsächlich von der Dekonstruktion seiner Arbeit hält.

P.S.: Überragende Realsatire finden geneigte LeserInnen in der Kommentarsammlung. Köstlich.

neoklassisch

Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit

Auf dem nervenaufreibend hässlichen Siebziger-Jahre-Platz, auf den ich von meinem Arbeitsplatz blicken muss, schloss ich mein Fahrrad auf. Endlich nach Hause zu Sinnvollem. Während ich mein Rad und mich fahrtauglich machte, hörte ich ihn schon. Leicht lallend redete der Mann, sehr laut. Ich hörte die Worte deutlich, obwohl er noch am anderen Ende des Platzes war. „Dess waren doch die Politiker, die sind doch Schuld da dran.“ Jetzt war ich mit den Vorbereitungen fertig, drehte mich um. Der Mann stützte sich auf sein Fahrrad, dass er neben sich über den Platz schob und kam genau auf mich zu. „Die Politiker sind doch Schuld, die habbe die doch rein gelassen, die Kanacken.“ Er krähte das ein bisschen, lächelte dabei, hatte diese Tonmelodie, mit der sich diejenigen Alkoholiker zu erkennen geben, bei denen das Hirn bereits irreparabel beschädigt ist. Die Sorte Menschen, in denen sich der Weltgeist, wie er wirklich ist, verdichtet hat und die das, was sich da zusammenbraut dann, weil sie verrückt sind, auch laut äußern. So ungefähr denke ich, während ich, langsam, denn ich will den Mann noch möglichst lange erleben, aufs Rad steige. Im Wegfahren höre ich noch, das der Narr sich auch über Lösungen für sein Problem Gedanken macht: „Aber jetz´ iss Schluss damit. Jetz´ werden wir uns beh waffnen.“