Zeitungsausschnitt

En dreifach Widderstand Helau!

Die Kungelbacher Umsicht sagt über den verbliebenen Flughafenausbau-Protest alles Notwendige, ohne es zu wissen:

Kreppel und Protest. Mahnwache feiert kritischen Fasching am Bauzaun.
Kungelbach. (xx) „Koch verwüst den Wald nicht nur, sondern auch die deutsch Kultur. Ja, was erwartst Du von so nem Knilch – charakterfest wie Buttermilch“, trug Obelix vom Donnersberg am Bauzaun vor und erhielt großen Beifall. Die Bürgerinitiativen gegen den Ausbau des Flughafens der großen Stadt hatten für Sonntag zum Narrentreffen an der Mahnwache im Kungelbacher Wald eingeladen. „Es hätten ruhig ein paar mehr sein können“, meinte Wiltrud Pohlbach-Trampert mit Blick auf das Dutzend Ausbaugegner, die der Einladung gefolgt waren. (…) „Wär der Roland Koch ein Schwein, hollahi, hollaho, wollt ich dann gern Metzger sein? Hollahiaho“, sang Obelix, und die Protestgemeinschaft am Bauzaun der Landebahn wiederholte den Refrain.

Projekt Zion

Sagte der Nachrichtensprecher des Hessischen Rundfunks: „Die israelische Regierung hat beschlossen, neue Siedlungen im Osten – … – im Osten Jerusalems zu genehmigen.“

Wir sind das Geld Volk

Aus einem mittelständischen Stadtmagazin:

„Das ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Weber, als er vor der einstigen Ökobank-Zentrale in der Nähe des Merianplatzes steht. Der ausgebildete Banker warb nämlich schon als junger Mann in der Gießener Fußgängerzone für die Gründung der Ökobank: „Panzerknacker, wir nehmen den Banken das Geld weg“, stand auf seinem Plakat, und Leute wie ihn gab es in den Städten der Bundesrepublik Anfang der Achtziger Jahre viele. (…) Weber, mittlerweile erfolgreicher Netzwerker in der Frankfurter Kreativbranche, erklärt den Grundgedanken: „Wenn man schon in dieser großen Friedensbewegung demonstriert, warum nimmt man dann nicht den Banken, die das finanzieren, das Geld weg. Denn das Geld haben doch wir.“

Bananenreichsstadt Frankfurt

Die Geschichte vom Robin Hood des offenen Wortes:

Der Kreisvorstand der Frankfurter FDP fordert das Ende der „Hexenjagd“ auf Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (Foto). Die Teilentmachtung des unbequemen Expolitikers durch die Bundesbank müsse der Schlusspunkt sein für die wochenlange Kampagne gegen Sarrazin, erklärte der Kreisvorsitzende, Dirk Pfeil, für das Präsidium der Frankfurter FDP.

Pfeil forderte insbesondere die Politiker, aber auch Teile der Medien dazu auf, sich weniger mit dem unkonventionellen Sprachgebrauch von Sarrazin zu beschäftigen als vielmehr mit den inhaltlichen Argumenten, die er vorbringe. Die Reaktionen aus der Bevölkerung zeigten in überwältigender Weise, dass Sarrazin eine weit verbreitete Stimmungslage aufgegriffen und damit den Nerv vieler Bürger getroffen habe. „Der Sprachgebrauch eines Thilo Sarrazin ist deutlich näher bei den Bürgern als die vielen Sprechblasen-Interviews unserer Politiker“, so Pfeil.

Die Geschichte von den unhinterfragbaren Wahrheiten:

In einer zweiseitigen Erklärung hat der Fraktionschef der Freien Bürger am Mittwoch den Bundesbank-Manager Sarrazin „gegen die grundgesetzwidrige Diskriminierung “ in Schutz genommen. Schließlich sei „der Kerngehalt der Thesen“ des SPD-Politikers nicht zu widerlegen, betonte der Stadtverordnete Wolfgang Hübner.

„In der Republik der feigen Opportunisten, Abzocker und aalglatten Karrieristen“ habe sich Sarrazin gegen Ausländer etwas zu sagen getraut, das aus der Sicht Hübners faktisch nicht zu widerlegen ist. Vielmehr nenne „der führende Sozialdemokrat Sarrazin“ nur einmal „die dramatischen Fehlentwicklungen eindeutig beim Namen“.
Grundsätzlich erwarte er, Hübner, von den Parteien in der Integrationsdebatte gar nichts mehr. „Zu tief sind sie nämlich in die Fehlentwicklungen verwickelt“, befindet der Stadtverordnete. Daher könne es auch mit diesen Parteien „keine Lösung der Probleme, keine Erneuerung in Deutschland geben.“

Und dann noch die Geschichte von der hebräo-persischen geilen Schnitte:

Hübner nutzt seine Erklärung dazu, auch Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg anzugehen. „Diese den Grünen angehörende Integrationsdezernentin geizt zwar nicht mit ihren weiblichen Reizen“, aber sie „geizt aus feigem politischen Kalkül damit, sich auf die Seite derer zu stellen, die sich klar gegen die schleichende Islamisierung ganzer Stadtviertel wenden“.

Dann sind sie vermutlich selbst schuld…

…diese Juden, hat sich wohl der- oder die RedakteurIn der Frankfurter Rundschau gedacht, der folgende Agenturmeldung

Im Gaza-Streifen will die herrschende radikalislamische Hamas verhindern, dass Kinder im Schulunterricht über den millionenfachen Mord an den Juden informiert werden. In einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an das zuständige UN-Hilfsprogramm UNRWA wird der Holocaust offen bestritten und als Lüge bezeichnet. „Wir lehnen es ab, dass unsere Kinder eine Lüge lernen sollen, die von den Zionisten erfunden wurde“, schrieb ein Hamas-Komitee an den Geschäftsträger der UNRWA im Gaza-Streifen, John Ging. Die UN-Organisation unterrichtet rund 200.000 Kinder im Gaza-Streifen.

offenbar nicht gedruckt sehen wollte, ohne in denselben Artikel diese Agenturmeldung noch mit einzubauen:

Die Jerusalem Post berichtete am Montag indes (sic!), das israelische Kultusministerium habe das arabische Wort „Nakba“ aus dem Unterricht für arabische Israelis verbannt. Nakba steht für Katastrophe und beschreibt Flucht und Vertreibung hunderttausender Araber während des Unabhängigkeitskrieges nach der Staatsgründung Israels. Die Gründung Israels könne nicht als Katastrophe gelehrt werden, zitiert das Blatt eine Sprecherin.

Bei diesem Blatt wird auf ausgewogene Berichterstattung geachtet, was sich auch in diesem Gastbeitrag zur Debatte entlädt manifestiert.
David Hare schreibt ziemlich lang (extrem lang für Rundschau-Verhältnisse) über die Mauer, klar welche. Erstmal wird sich vorab gerechtfertigt, „Ich ergreife nicht Partei, und ich habe Bekanntschaften auf beiden Seiten des Zauns und auf beiden Seiten der Mauer.“ Dann kann es losgehen. Das Konzept der Instrumentellen Aktualisierung wird ohne es zu kennen perfekt genutzt. Willst Du Dich nicht festnageln lassen, lass es jemand anders für dich sagen. So:

Der internationale Gerichtshof in Den Haag vertritt eine andere Auffassung. Am 9. Juli 2004 erging folgende Verfügung: „…der von der Besatzermacht Israel angestrebte Mauerbau in den besetzten palästinensischen Gebieten … verstößt gegen internationales Recht. Israel muss … den Bau sofort einstellen … und die bereits gebauten Abschnitte unverzüglich wieder entfernen…“

oder so:

Professor Nusseibeh von der Al-Quds-Universität drückt es besonders prägnant aus: „Das ist so, wie wenn man jemanden in einen Käfig sperrt und dann, wenn er verständlicherweise anfängt zu schreien und um sich zu schlagen, behauptet, dass ein Mensch, der zu solchen Wutausbrüchen neigt, eben eingesperrt werden müsse. Die Mauer ist ein perfektes Verbrechen, denn sie beschwört die Gewalt herauf, zu deren Verhinderung man sie angeblich gebaut hat.“

Und wenn es gar nicht anders geht, wird mittels fiktiver wörtlicher Rede einfach dreist untergeschoben:

Deswegen fragt man sich, warum die israelischen Soldaten hier sinnlos den Verkehr aufhalten. Die Antwort ist klar. Sie tun es, weil sie es können. Für die Wartenden lautet die Botschaft: „(…), aber es gibt wahrscheinlich doch eine Logik dahinter. Sicherheitsbedenken spielen jedoch bestimmt keine Rolle – die Straße führt nicht nach Israel, und den einzelnen Autos wird auch keine besondere Beachtung geschenkt.Wenn wir euch aufhalten wollen, dann machen wir es. Wir haben das Recht, euch aufzuhalten. Aus unserer Sicht ist eure Lebenszeit unwichtig.“

David Hare bezieht seine Berechtigung, fundiert zum Thema zu sprechen, übrigens aus seiner Tätigkeit als Autor und aus der bereits bekannten Tatsache, Freunde auf beiden Seiten zu haben.
Den Bau der Mauer, bei dem Israel auch Land umbaute, dass nach diversen Abkommen „den Palästinensern gehört“, nennt er „ein perfektes Verbrechen“. Was den FR-Redakteuren wiederum eine derart treffende Charakterisierung jüdischen Policymakings zu sein scheint, dass sie das Bonmot zur Zwischenüberschrift aufwerten.

Wer sich angesichts solcher Ausgewogenheit, nach Polemik und unfairer Berichterstattung sehnt, soll sich die aktuelle konkret besorgen und darin nachlesen, wie die gute alte UNO, die so viele gute Linke zu ihren Fans zählt, ihrem Bildungsauftrag im Westjordanland im Detail nachkommt.